unGeschnickte Antwort

Mai 23rd, 2013

Der Nachwuchs braucht dringend, schnell und sofort Aufmerksamkeit.  Also wird das Wohnzimmer geentert, wo gerade im Fernsehen Showtime ist.  Also wird sich genau neben dem Bildschirm positioniert um maximale Aufmerksamkeit zu erhalten. Leider ist der Bericht im Fernsehen gerade an der Schlüsselszene angekommen wo die Quintessenz  der Nachricht erwartet wird – folglich richten sich die Augen nicht sofort auf den Aufmerksamkeits-Anforderer. Dieser erfasst die Situation und seine in diesen Sekunden schlechte Ausgangslage und nutzt die vorhandene Zeit zu einer hektischen Nasenreinigung unter zur Hilfenahme des Zeigefingers der linken Hand.
Als sich plötzlich die Augen nun  doch auf Ihn richten, verschwindet die linke Hand in der linken Hosentasche: “Also, wisst Ihr ….”.  “Ich finde es nicht gut, dass Du Deine Popel in die Hosentasche schmierst!” unterbricht die Erziehungsberechtigte hart und rüde den gestarteten Kommunikationsversuch der Jugend. Es herrscht ein, zwei Sekunden Stille. Dann kommt sofort das entlastende Dementi:  “Hab´ich doch gar nicht!”.
Auf die fragenden Gesichter folgt umgehend und in beteuerndem Tonfall die Erläuterung:  “Ich hab´den vorher weggeschnickt, ehrlich ….”.

 

 

 

Morbus Julius

März 3rd, 2013

Es geht endlich in Richtung Frühling! Es kommt bald wieder die Zeit für langes Spielen im Wald –  und auch Zeckenbisse. Es kommt die Zeit von aufgeschürften Knien oder Ellenbogen vom Skaten oder Waveboarden.
Es kommt also die Zeit nach den Impfungen zu schauen: FSME Auffrischung, Diphterie, Tetanus checken – ach und dann kann man ja auch gleich wegen Tuberkulose checken ! Die ist ja wieder auf dem Vormarsch, die Tuberkulose.
Der Nachwuchs hört zu und sieht Riesenspritzen auf sich zu kommen, spürt jetzt schon schmerzende Pobacken, lahme Arme …   Also schnell Themenwechsel und passender Weise klingelt das Telefon.
Eine Freundin, die Ihre auf der Tupperparty bestellten Tuppersachen bezahlen und abholen möchte. Na gerne, na klar…
Obwohl selbst mit geringem Infektionsgrad dabei,  wird nun über die Tuppersüchtigen gewitzelt. Das kann scheinbar eine richtige Krankheit werden.  Ein Impfstoff ist aber – da sind alle einig – noch nicht gefunden.
” Genau, ” meint der Nachwuchs abschliessend, ” die haben wohl alle Tupperkulose…”

Klare Ansage…

Februar 28th, 2013

Es ist wieder einer der netten Abende, an dem generationsübergreifend zu Abend gegessen wird. Dabei geht es im Tischgespräch um die Religionszugehörigkeit der anwesenden Personen. Es wird geraten, gescherzt und Dinge werden klar gestellt. Wie klar sollte sich am Ende noch zeigen. Da ging es um katholisch, römisch-katholisch und was ist eigentlich griechisch-orthodox? Also die Evangelen, die Protestanten , die und der Luther … “Protestieren die?” fragt der Nachwuchs (11J.). “Neeiiiiiin, das sind doch evangelische…”. “Deren Frauen heissen bestimmt Prostituierte”, witzelt der Nachwuchs dreist weiter.

Oma meint es gut, will sachte bremsen und “challanged” den Naseweis: “Weist Du denn überhaupt, was Prostituierte sind?”
Die Antwort kommt prompt, wie selbstverständlich und offensichtlich sehr synonym-erfahren: ” Nutten, Oma. Das sind Nutten…”

Vollverkleidete Erziehung … Hui Ui Ui Uhh

August 22nd, 2012

So wollen wir unsere Kinder erziehen: tolerant, im Wesen offen, weltgewandt und nie besoffen. Also gibt man sich Mühe dabei und steuert vor allem Tendenzen entgegen, bei denen eine gewisse Verulkung anderer Glaubensrichtungen stattfindet. So erklärt man dem Nachwuchs, dass Autofahrerinnen mit Migrationshintergrund nicht in jedem Fall durch das einfache Tragen eines Tuches als  Kopfbedeckung beim Fahren mit eingeschränkter Sicht zu kämpfen haben, sondern dass das beobachtete Fahrverhalten auch andere Ursachen haben kann und auch bei Fahrerinnen ohne Kopfbedeckung bzw. Fahrern mit Kopfbedeckung (brauner oder grüner Cord-Hut) durchaus zu beobachtet werden kann.
In wie weit sowas auf fruchtbaren Boden fällt,  wird sich erst in ein paar Jahren wirklich zeigen.
Solange müssen wir mit Hinweisen leben, die wir durch einzelne Situationen erhalten – wie wir neulich:

Beim Besuch in einer süddeutschen Filiale eines günstigen Supermarktes begann unser Nachwuchs im Kassenbereich plötzlich spontan zu lachen. “Nix!” war die Antwort auf meine Frage, was es da gäbe. Das Grinsen in seinem Gesicht wich nicht. Ich setze nach und nochmal nach. “Nix und wieder nix!”. Ich erklärte unsere Freundschaft für beendet. Das zog nun endlich und mir wurde – in einer Art und Weise, die mir die Lachtränen in die Augen trieb – mitgeteilt:

“Guck mal, da an der Kasse. Ganz viele Hui-Buhs beim Einkaufen…. “.

In ein paar Jahren wissen wir mehr…

So ein Müll …

August 22nd, 2012

Immer wieder montags kommt der Müll weg. Die Tonne steht am Sonntag abend sauber aufgereiht bei den anderen und man erwartet dann montags früh spätestens gegen 6:15 Uhr das brüllende Geäusch des Leerungsfahrzeuges. Die Männer mit denn orangenen Warnwesten sausen herum und kümmern sich um alles. Alles wie immer, alles wie gehabt.

Auch Sohnemann interessiert sich für den Vorgang. Gerade heute, wo dem Müll die Abfuhr etwas später erteilt wird und man in der Wohnsiedlung selbst im Auto sitzend hinter dem Müllfahrzeug festhängt, läßt sich alles gut beobachten:  10 m fahren, abspringen, Tonne ergreifen, zur Entladevorrichtung, entladen, Tonne prüfen und zurückstellen, nächste Tonne ergreifen, zur Entladestation am Fahrzeug … dann irgendwann endlich wieder 10m fahren.

Junior ist mittlerweile auch etwas angenervt, weil es immer nur etappenweise vorangeht. Stückchen für Stückchen für Stückchen.  Er beginnt die Lage zu sondieren um herauszufinden, wann das Ganze dann endlich ein Ende haben könnte und offenbart dabei auf nette Art und Weise seine kleine Weltanschauung:

“Sag mal Papa, müssen die denn nicht auch irgendwann mal ins Büro ? “

Na, sauber …

Juni 26th, 2012

Als Hundebesitzer… oder besser:   Mit einem Hund in der Familie muss man Rücksichten nehmen, was aber meist keine Schwierigkeit bedeutet. Der halbtags arbeitende Familienteil geht also nach der Arbeit zügig in Richtung Heimat: Schnell mit Hund raus und dann flott Einkaufen gehen… 
Per Zufall begegnet man auf dem Felde dem umherstreichenden Nachbarn mit seinem Hund und beschliesst gemeinsam mit den beiden Hunden weiterzugehen. Leider achtet man im gemeinsamen Gespräch aber nicht sooo intensiv auf die Hunde, so dass die Vierbeiner meinen, eine Chance zu erkennen um sich unbeobachtet in irgendeiner  Schei**e  zu wälzen.  Na, klasse war das – auch wenn diese Ambitionen glücklicherweise nur äusserst  selten zu Tage treten …
Naja, der Nachbar  hat dann freundlicherweise angeboten mit beiden Hunden bis zu seinem Buerogebäude zu laufen und dann dort im Vorgarten die Reinigung der beiden Hunde vorzunehmen. Auf dem Rückweg vom Einkaufen könnte der Hund dann abgeholt werden – das sein nicht nur komfortabel, sondern auch den Vorteil, dass der verschmierte, fäkalodeurierte Köter nicht dasAuto versaut.

Also wurde das Angebot gerne angenommen und man ist Einkaufen gefahren.  Bei der Abholung stellte sich heraus, dass die Reinigung durchaus nur rudimentär erfolgt ist – aber wenigstens eine Verschmutzung des Autos jetzt vermieden ist.  Man bedankt sich und fragt nochmal nach, wegen dem Geruch des Reinigungsmittels: „Was ist das denn fuer ein Shampoo?“  Antwort: „ Oh, das ist Badreiniger – ich hat grad nix anderes da….“.

Mit Freddy in der Teufelskueche…

September 21st, 2011

Man(n) bringt sich oft selbst in diese Küche . Eine Situation, die besonders den Erziehungsengagierten unter uns sicherlich ein Begriff ist: Man sagt oder erklärt etwas und tut dies Unachtsamerweise unter Verwendung von Begriffen oder Themen, die ebenfalls Erläuterung benöetigen – zumindest aber eine starke Neugier hervorrufen. Damit wird alles schlimmer und schlimmer. Das Fragen geht weiter… und weiter… und man könnte sich auf die Zunge beissen, aber das bringt nix mehr… die Schlinge zieht sich zu: 

Gemeinsames Abendbrot in der Küche. Die Chefin hat allerdings andere abendliche Pläne – ist also schon mal mit dem Hund los und will später kurz was essen. 
Das Radio läuft und mir sitzen am Küchentisch 10 Jahre Lebenserfahrung mit einem wackelnden Milchzahn gegenüber, die sich lebenslustig ein Brot mit Schmierwurst …  na , sagen wir mal:  “zubereiten”.
Ästheten oder Gourmets würden wahrscheinlich ohne mit der Wimper zu zucken von einer inszenierten Hinrichtung sprechen, bei der beide Akteure den Tod finden und  Joseph Beuys hätte seine Freude an der Tischplatte gehabt.
Sohnemann grinst mich an und durch die Leberwurst an den Mundwinkeln wirkt das Laecheln heute besonders breit: “Dolle Musik machen die…”.
Es läuft der “Millionaeres Waltz” von Queen. “Hmmm,ja. Haben die gemacht….”.
“Ne, die machen noch tolle Musik!” insistiert der Wackelzahn. Ich will Schärfe rausnehmen und begehe  d e n  Fehler des noch jungen Abends und beginne zu erklären:
“Die machen eigentlich keine Musik mehr, jedenfalls keine Neue. Da werden nur die alten Lieder immer wieder gespielt. Aber Musik “machen” im Sinne von neue Musik zu erstellen/zu machen – das tun die nicht mehr.  Deren Chef, der Freddy Mercury, ist nämlich gestorben und er war der Kopf von Queen.”
“Ah….”, sonderlich überzeugt klingt es nicht hinter der Leberwurst hervor. “Warum ist der denn schon tot – war der soo alt? Warum leben denn die anderen noch?”
“Nein, der war nicht so alt. Der Freddy Mercury ist an einer Krankheit gestorben.”
“Welche Krankheit” tönt es erbarmungslos fordernd.“AIDS” höre ich mich sagen, “Der ist leider an AIDS gestorben.”
“Was ist das denn ?” schmatzt es mir lässig entgegen.
“Eine Krankheit … “ versuche ich, die Gefahr ahnend, auszuweichen. Aber der Nachwuchs ist erbarmungslos und will es wissen- und zwar heute und ganz genau .
“Und was fuer eine?”
Upps. Nu aber:  “Das ist eine Imunschwächekrankheit. Das heisst, dass der Körper sich nicht mehr gegen andere Krankheitskeime wehren kann. Die körpereigene Abwehr von Viren und Bakterien funktioniert nicht mehr. Das heist, dass Du schon mit einem Schnupfen grosse Schwierigkeiten haben kannst – und wenn man schon recht schwach bist, dann kann man unter Umständen auch an einem Schnupfen sterben. Der Koerper kann sich nicht mehr wehren.”
Ich war stolz auf mich !  So schnell – so gut …..
“Der ist also an einem Schupfen… “ “
Nein,” unterbreche ich. “Das nicht. Aber genau kann ich es Dir nicht sagen. Er ist letzt endlich gestorben weil…, weil… er so geschwächt war und irgendetwas ihm dann den Rest gegeben hat. Ich weiss aber nicht was es war.”
Ok. Das war’s.   Noch ein Brot?  Mittlerweile läuft Ami Winehouse im Radio – das kann auch ins Auge gehen.  Aber das mit Freddy war noch nicht tiefgenug ins Auge gegangen:
“Wie bekommt man AIDS?” 
Das musste kommen. Es konnte nicht friedlich bleiben, nein – das musste kommen. “Hörmal, die spielen Ami Winehouse…”
“Ich weiss, die ist auch tot. Wie bekommt man AIDS?”
Eine Sekunde lang wollte ich sagen: “Wenn man die Leberwurst nicht richtig auf’s Brot schmiert…”  aber das waere eh sinnlos – und noch dazu falsch.
“Wie bekommt man AIDS?”
“Na zum Beispiel durch Uebertragung von Blut. Wenn man zum Beispiel eine verunreinigte Blutkonserve von einem erkrankten Blutspender bekommen würde…”
“Hat der Freddy Mercury eine Blutkonserve bekommen?”
“Ja. Äh, nein.  Äh, ich weiss nicht……      Also…” ich nahm meinen ganzen Mut zusammen. Ich muss aber auch noch im Voraus sagen, dass mein Zögling  einen durchaus als ordentlich zu bezeichnenden Wissenstand in Bezug auf gleichgeschlechtliche Liebe hat. Angesichts übler Schimpfwoerter auf dem Schulhof und Comedyserien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (Angela & Guido) hatten wir uns entschhlossen, dieser Sache mit klarer Offenheit entgegenzutreten. Die Erläuterung der einen oder anderen technischen Feinheit hatten wir allerdings dann doch ausgespart – es war auch nicht direkt gefragt worden.“Also, …. der Freddy Mercury war schwul.”“
“Ach, der war auch schwul?”
“Ja, der war schwul. Und der hat sich wahrscheinlich beim Liebe-machen, also beim Sex angesteckt…”
Das war der Riesenlacher ! Richtig lustig schien es zu sein. Hahaha ha!
“Papa, “  kam es im überlegenen, generösem Tonfall und mit den Besteck fuchtelnd über den Tisch,
”Wie soll das denn gehen? Schwule können doch gar kein Sex haben!
Ich nicke heftig ein wortloses “DOCH!”
          S t i l l e 
Das Besteck hebt sich langsam wie ein Schutzschild immer höher , während die Schultern einsinken.Der Kopf gerät in Schräglage und es wird unter dem Besteck hindurchgeschielt.
          S t i l l e 
Schliesslich kommt nach gefuehlten 2 Minuten ein leises und sehr vorsichtig hingehauchtes, fragendes:   
“Po ?
Ich nicke ein heftiges wortloses “JA”.
Der Kopf sinkt weiter, das Besteck geht weiter hoch zur Abwehrhaltung.Dann ein gequält kingendes:
“Ich will’s gar nicht wissen”.
“Ich will es   G A R   N I C H T   n i c h t  wissen… “ 

Das Abendbrot konnte dann mit dem Thema Handball und einheimischer  Musik von den Rodgau Monotones (Volle Lotte wieder mal..) weitergehen. Die Anspannung bei mir klang langsam ab. Nur einmal zuckte ich noch hoch, als der Nachwuchs sich bei mir interessiert erkundigte:
“Duuuhu Papa ……     Der Westerwelle auch ???? 

“Na, alles klar? Habt Ihr Euch gut unterhalten?”  Hund und Herrin waren wieder da…
“Mama, der Papa sagt Freddy Mercury hatte AIDS und ist tot, weil er schwul war – aber die Musik ist toll….”

Ich war plötzlich müde. So unendlich müde.

Hätte ich noch geraucht, wäre ich Zigaretten holen gegangen – auch, wenn ich schon mal in New York gewesen bin ….. 

Urteile nicht, solange…

Mai 12th, 2010

Du nicht den wahren Hintergrund kennst:

Neuen Computer gekauft! Der alte war doch mittlerweise sehr laut und machte mit seinen Lüftern bereits der Kaffeemaschine Konkurrenz. Ganz stolz bestellte ich nicht das Schnellste vom Schnellen, sondern einen möglichst leisen (endlich!), kleinen Rechner der meinen Ansprüchen genügt. Vernunft statt Protzerei (meine Frau ist stolz auf mich – vielleicht gelte ich ja doch endlich als erwachsen!!). Es wurde so eine kleine Kiste mit nur 1,5 Liter Gehäuse Inhalt: klein, fein und man kann sie hinter dem Monitor befestigen! Der Einschalter ist an einer Ecke bzw. ist eine Ecke des Gehäuses, dreieckig und ragt mittig hinter dem Monitor hervor. Wer ihn drückt, legt lieber sicherheitshalber die Handfläche hinter das Gehäuse und drückt dann mit dem Daumen – sonst könnte der Aufbau nach hinten kippen und sich in Richtung Boden verabschieden. Das tolle Gerät habe ich natürlich in mein neues Office gestellt, in den frisch ausgebauten Keller. Die Familie benutzt – nein , nicht den Familienbenutzer (vgl. Loriot: Der Familienbenutzer), sondern – das Netbook im Wohnzimmer. Schön klein, alles dabei. Allerdings hat das Netbook keine Verbindung zum externen Massenspeicher, so dass manche Dinge auf meinem neuen Geraet im Keller gespeichert werden.
Neulich entstand während meiner Abwesenheit Zugriffsbedarf . Also gebe ich per Handy Telefonsupport, während ich zu einen Meeting laufe. Der andere Teilnehmer erwartet mich schon vor dem Raum – ich bleibe in der Türe stehen und erklaere noch schnell, wo der Schalter sitzt und wie er fachgerecht bedient wird.
Der Kollege spricht mich darauf an: “PC Support at home ?”
“Yep, this was how to switch-on and press the button correctly.”
“Your mother, I believe.”
“My wife!”

” Uh ! “

Nah(t) dran

Januar 29th, 2010

Es ist der Ton, der die Musik macht. Kleine Menschen, die sich noch im Wachstum befinden und altklug daherreden, wirken manchmal stärker als Karrikatur und kommen witziger herüber, als das jeder Satiriker jemals hinbekommen würde. Manchmal verstehen diese “grossen Krümel” aber sehr gut, dass sie gerade komisch sind und gleichzeitig im Grenzbereichen agieren – ahnen aber gar nicht, wie nahe sie am Abgrund manövrieren.

Es ist Abendessen, das ganz normale freitägliche gemeinsame Abendessen bei den Grosseltern. Wie immer sind die Sachen auf dem Tisch sehr, sehr lecker. Es ist ja auch immer eine schöne Abwechslung mal woanders zu essen, also wird auch gerne zugegriffen und häufig – und viel und lecker und MjiamMjiam.

Hinterher muss dann schonmal der Gürtel etwas weiter geschnallt werden oder einer der leckeren, ungekühlt trinkbaren Obstler muss den “Verteiler” spielen.

Beim Essen wird natürlich nicht nur vom Essen geredet. Erst schon (was gibt´s??) aber dann geht´s auch mal um gerade getätigte Einkäufe . Auch über Klamotten, Hemden, Hosen unterhält man sich: Was ist abgenutzt, wo ist man “rausgewachsen”

Als die Mutter des “grossen Krümels” anmerkt, dassi hre Jeans auch durch Nutzung schon stark in Mitleidenschaft gezogen ist und auf die fast durchgeribbelten Stellen auf der oberen Innenseite verweist, kommt´s in einem durchaus als hämisch zu bezeichnenden Tonfall vom Junior:

“Naaaaaaa? Ist die Naht geplatzt? ”

Lacht sich eins und beisst in die Frankfurter…

Fartissimo !

Dezember 3rd, 2009

oder: Wenn früh am Morgen die Werksirene tönt ...

Der Onkel eines Freundes; dessen Schwester kennt einen, dessen Cousin ein Nachbar hat und dessen Grosstante, bei der…..
– also denken Sie bloss nicht, es wäre bei uns gewesen:

Die Eltern arbeiten im selben Konzern. Nicht in derselben Firma, aber im selben Konzern – und im selben grossen Haus in derselben grossen Stadt. Man kennt also die selbe, gemeinsame Kantine, auch wenn sie nie gemeinsam besucht wird. In genau dieser Kantine fand am Wochenende die obligatorische Mitarbeiterkinder-Weihnachtsfeier statt.
Über die Kantine war schon öfter in der Familie diskutiert worden und eine geschmacklich und qualitativ sehr wechselvolle und gewöhnungsbedürftige Konsistenz des Essens bemerkt worden. Konstanz findet sich offensichtlich nur in der Spaghetti Bolognese, deren Hackfleischsosse beim väterlichen Elternteil immer und unweigerlich zu heftigen Darmreaktionen aller Art führt.

Auf der Weihnachtsfeier wurde natürlich- welches Kind isst das nicht ?? – das sonst regelmäßig an einem bestimmten Wochentag mittags offerierte Gericht als sonntägliches Abendessen angeboten. Wider besseren Wissens wurde die Blechpizza von allen dreien ignoriert und man nahm sich die Nudeln mit der beschriebenen Qualitätssoße. Und so kam es, wie es kommen musste.
Der väterliche Teil quälte sich recht bald nicht nur mit Selbstvorwürfen, sondern auch mit anderen Dingen und der schnellen Erreichbarkeit der Entlastungslokalitäten. Der mütterliche Teil flatulierte in den Folgetagen herum und unterlag fast 3 Tage einer ständigen Unwohlsamkeit in der Magengegend – dem achtjährigen Nachwuchs schmerzte nächtens der Bauch (mit Wärmflascheneinsatz), bis man sich endlich der Sache entledigte bzw. vollständig entledigen konnte. Alles in allem gingen die Nachwirkungen bei allen über eine zwei- bis dreitägige Rekonvaleszenz bis zum endgültigen Abklingen aller Symptome.

Diese nicht zufriedenstellende Gesamtsituation, als auch besonders das eigene Unvermögen eine Entscheidung entsprechend des eigenen Vorwissens zu treffen (Nimm lieber die Pizza !), wurde also nochmal eines Folgemorgens diskutiert und erörtert. Die eine oder andere Wirkung bzw. Wirkungsweise wurde nochmal angesprochen und es wurden Schwüre geleistet, zukünftig gemäß der eigenen Erfahrungen zu handeln.

Im Anschluss wurde das Frühstück ohne weitere Erwähnung der Sache mit anderen Themen (Was macht der Vize-Bundeskanzlerin eigentlich? Warum haben andere einen König? Ist Horst Köhler nicht eigentlich Kaiser? Warum heisst der bei uns Franz?) fortgesetzt.

Irgendwann war´s dann Zeit zur Schule zu gehen. Der mütterliche Beistand war bereits Richtung Arbeitsstätte entfleucht und Papa stand in der Haustüre und verabschiedete seinen mittlerweile 8-jährigen Beitrag zu Deutschlands Zukunft in Richtung Bildungsanstalt. Kuss, Kuss und Wiedersehen. Der Kurze marschierte über den grosszügigen Vorplatz ab.
Plötzlich packt es Papa nochmal: “Ich wünsche Dir einen tollen Tag in der Schule, mein Lieber!” Der dreht sich am anderen Ende des Vorplatzes um und röhrt quer über den Platz zurück: “Ich wünsche Dir einen schönen Tag im Geschäft, Papa ! (und lauter:) – äh – und dass Du nicht soviele B-l-ä-h-u-n-g-e-n bekommst – (und wieder leiser:) ……. von dem Schweinefleisch…”.
Spätestens hier dürfte das nachbarschaftliche Interesse geweckt woirden sein und ich spürte die mitleidige Entrüstung hinter den Vorhängen fast körperlich.
Ach ja , es war ja bei der Nachbarin der Schwester eines Onkels eines Freundes… :
Also ich könnte wetten, das der die mitleidige Entrüstung hinter den nachbarlichen Vorhängen fast körperlich gespürt haben muss …

Bla Bla Blah Bla Bla Blah …

November 18th, 2009

Manche Pflichten machen richtig Spass. So geht mir das jedenfalls, wenn ich unseren Kurzen (8 J.) ins Bett bringe und dann so eine ganz liebe Kuschelanfrage kommt: “Papa, können wir noch ein bisschen Kuscheln?”
Yesssss! Ei, na klar. Nix wie hin, zu ihm ins Bett gelegt und den Nachwuchs in den Arm genommen.
Alles das trat wieder mal ein, als meine Frau auf ihre “Bastelfreundinnen” wartete. Alle zusammen sind ein seit Jahren eingespieltes Team, welches sich alle vier Wochen zum Basteln und Austausch der neuesten Geschichten reihum trifft.
An diesem Montag hatte man sich bei uns getroffen, bzw. plante das zu tun.

Der kleine Mann lag also neben mir im Bett und wir sprachen über die Weihnachtsgeschenke des kommenden Festes. Es es waren grad noch so 4 Wochen bis dahin und ich kannte ja schon zwei der Geschenke (die ich selbst herausgesucht hatte) und der Kurze setzte alles daran herauszufinden, um was es sich handeln könne – zumindest so ungefähr handeln könnte.

Durch den herabgelassenen Rolladen konnten wir wenig später ein parkendes Auto hören, dem zwei doch sehr engagiert miteinander sprechende Frauen entstiegen. Das angeregte Gespräch setzte sich fort, während sich die Stimmen (und die Damen) durch unseren Garten der Terrassentür näherten – Klopf. Klopf.
Der Kurze unterbrach sein inquisitorisches Geschenke-Verhör und schwieg für 5 Sekunden vollständig um den Stimmen bei der Begrüßung zu lauschen. Dann brach es aus ihm heraus:

“Bla Bla, Blah, Blabla, Bla, Blaaah, Geplapper, Geplapper, bastel, bastel…

Ich bin stolz auf meinen Sohn, seine Beobachtungsgabe und die Fähigkeit , die Resultate verbaltechnisch minimalisiert aber bestens pointiert zum Ausdruck zu bringen !

(Ich bin übrigens vor Lachen fast aus dem Bett gerutscht!)

Inhalte …

September 10th, 2009

Die Familie sitzt abends beim Essen zusammen – so wie es sein soll und auch von führenden Familienfachleuten immer wieder lvehement gefordert wird. Das gemeinsame Essen morgens und abends ist der Familie aber auch ohne Fachleute sehr wichtig, denn es fördert das Miteinander und vor allem auch die interfamiliäre Kommunikation. Man erfährt Neuigkeiten, spricht Dinge ab, plant gemeinsame Aktivitäten und klärt, wer am Freitag wo grillt, wer welche Sorgen hat und wer am Samstag bei Oma und Opa schlafen darf. Der Nachwuchs erzählt munter drauflos, spricht von Laserschwertern, Ritterrüstungen und erläutert seine zukünftige Berufswahl “Erfinder” mit einer Bestimmtheit und einem Nachdruck, die jeden Zweifel zerstreut und die Wahl der Profession bereits jetzt wie in Stein gemeisselt erscheinen lässt.

Den Erziehungberechtigen fällt allerdings von jeher auf – und das ist ja nun schon das dritte Jahr –  dass kein Wort über die Schule oder den Lernstoff in der Schule berichtet wird. Es drängt sich aber auch nicht der Eindruck auf, dass hier ein unangenehmes Kapitel totgeschwiegen werden soll. Werden nämlich detaillierte Fragen gestellt “Was habt Ihr den heute in Sport gemacht?” kommt nach anfänglichem Zögern “Ich weiss nicht mehr…” dann doch eine halbwegs brauchbare Antwort: “Ball.”, die sich mit einfachen Mitteln weiter hinterfragen lässt: “Was Ball?”. So kommt dann schleppend, aber immerhin eine kleine Kommunikation zum Verlauf des Schultages zustande.

Es ist merkwürdig, aber es ist wie es ist: Laserschwerter, die tatsächlich noch vom kommenden Erfinder erfunden werden müssen, weil die ja bisher nur im Film existieren und das heisst: die gibt´s noch nicht “in echt”, werden bei Tisch wie selbstverständlich diskutiert. Jede lapidare Frage bezüglich der Schule “Was war denn heute in der Schule?” wird ebenso lapidar beantwortet: “Nix” und bedarf weiterer gezielter Nachfrage.

Manchmal ist ein vorsichtiger Ansatz zu erkennen und die Eltern beginnen zu hoffen, wenn zumindest aus eigener Motivation erzählt wird, wer grad wem wieder in der grossen Pause auf dem Schulhof eins auf die Nase gegeben hat.
Naja, man gibt nicht auf. Irgendwann wird´s schon kommen. Irgendwann wird er schon etwas von einer Unterrichtsstunde erzählen. Irgendwann platzt der Knoten und die Informationen aus ihm heraus. Ganz sicher ! Ganz, ganz sicher! Ganz, ganz, ganz sicher !

Und dann sitzt die ganze Truppe wiedermal gemeinsam beim Abendbrot. Das erste Gespächsthema ist noch nicht gefunden – man reicht sich noch gegenseitig Brot, Getränke und Salat bis jeder versorgt ist.
Plötzlich lässt der kleine Mann verlauten:
“Soll ich Euch mal erzählen, was heute in der Schule in Englisch war?”
Bitte !?!?  WAS ??? Atemlose Stille.
Die Augen der erwartungsvollen Eltern treffen sich und ein den Freudentränen nahes Elternteil fragt hoffnungsvoll:
“Ja, was war denn in English heute ?”

“Der Yassin hat den ganzen Tisch vollgekotzt…” tönt es fröhlich, ” So, guck …Bruaaahr – einfach vor sich – und alles über seine Hefte. Und der hat vorher nicht gesagt, dass ihm schlecht ist. Der hat einfach so: Bruaaahr – und dann nochmal…. Die arme Franka!”

“Wieso, saß die neben Ihm?”

“Neeeeeee, gegenüber!”

Es wird wohl doch noch etwas dauern, bis über die anderen Inhalte berichtet wird.
Wir fassen uns … – auch in Geduld.

einfach ohne Worte

Juli 2nd, 2008

Manchmal ist es einfach die Situationskomik, manchmal ist es einfach die Darstellung der völligen Ignoranz. Es gibt auch Fälle, wo das eine das andere einfach verstärkt. Manchmal entsteht dabei eine Situation, bzw. etwas, was ein Informatiker als “RESET” bezeichnen würde.
So ist es neulich passiert, als erfahrene Elternteile während eines entspannten Urlaubsabends (die Brut schlief – endlich – bereits) beim UNO-spielen über genau diese, momentan schlafende, Zukunft des Landes diskutierte.

Es ging nicht um Erziehungsunterschiede – nein, soweit herrschte Einigkeit – es ging viel mehr um die existierende Last. Es ging um jene Opfer, die uns die Kinder abverlangen – und die auch jeder kennt der Kinder hat. Sei es die durchwachte Nacht am Krankenbett, sei es die Autofahrt zurück zu Oma und Opa um doch noch den Lieblings-Schnuller zu holen, sei es das zweitstündliche Aufstehen um zu füttern oder aus verschiedenen Gründen nach dem Rechten zu sehen, sei es der erniedrigende Anruf bei der verhassten Versicherung, um den geplatzeten Lieblingsluftballon ersetzen zu können.

Es ging um die Entsagungen – die unsäglich sein können – die zwei Menschen auf sich nehmen um dem Nachwuchs die Existenz zu ermöglichen oder angenehmer zu gestalten. Dennoch – und das sollte auch klar sein- war man weit entfernt von irgendwelcher Pathetik oder gar der Schilderung heldenhafter Situationen. Es wurde lediglich sachlich festgestellt. Es war auch keine Chance zur Pathetik, wie der folgende – durchaus knochentrockene – Dialog klar zeigt:

“Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine Nacht durchgeschlafen habe…”, lautete das Lamento.

“Ach, …” so kam die Antwort prompt, “…dann solltest Du Dir solche Sachen vielleicht aufschreiben!”

Ohne Mitleid und ohne Worte – obwohl mit.
Der Abend war insgesamt recht lustig. Die zweite Runde Caipirinha war auf dem Weg, die Brut schlief friedlich …..
Es waren abere auch sonst recht schöne, gemeinsame Ferien in Deutschlands Norden.

Hüpf – oder: Geh´n mer, Fröschl ?

März 19th, 2008

Es ist keine olle Kamelle diesesmal. Nein, ganz im Gegenteil – gerade aktuell passiert. Letztes Wochenende. Sonntagabend.
Wie immer gehe ich mit dem Hund die “Grosse Runde” (mindestens ´ne Stunde). Die hat er auch verdient, der liebe Kerl. Geduldig hat er bis spät ausgeharrt und dann sind wir gegen 23:00 Uhr endlich unterwegs. Wir laufen an einem Weg der Grundstücke – genauer: Gärten von Hausgrundstücken – gegen den Wald abgrenzt. Die Bäume des Waldes sind hoch, sogar das Mondlicht wird abgeblockt. Die städtischen Laternen sind abgeschaltet, es ist ja auch schon nach 23:00 Uhr.
Der Weg liegt im Dunkeln, was uns beiden aber nichts ausmacht, weil wir die Gegend und den Waldrandweg “aus dem ff kennen”. Auch gibt die eine oder andere solargeladene Laterne auf einer entfernten Terrasse noch eine gewisse Orientierung. Der Hund hat ein Leuchthalsband und führt mich gewissermassen auch so noch. Meine umgebaute Turbo-Maglite (6,75 Watt LED – hast Du Fragen, oder was ?), mein Lichtschwert, lasse ich souverän im Gürtel stecken.

Das Laufen fängt gerade an Spass zu machen, da lande ich ganz offensichtlich einen Volltreffer und trete in etwas schmieriges, weiches was aber dennoch einen gewissen Tretwiderstand aufbringt. Na, was wird das bloss sein ? Ich fluche. Ich fluche auf die Hundebesitzer, die Ihre blöden Köter (ich weiss, die Hunde können nix dafür) das “Geschäft” direkt auf den Weg machen lassen. Es ist ja das Mindeste, das der Hund erlernt wenigsten den Rand des Weges zu nutzen – schlimm genug. Ausserdem kann man “das” auf die Seite kehren oder gar mit einem entsprechenden Tütchen (gibt´s in jeder Tierhandlung) vollständig entsorgen. Mein Hund wählt übrigens glücklicherweise immer den tieferen Wald, so dass ich dachte mir stünde das Fluchen auch entsprechend zu.

Na ja, hilft alles nichts. Den Schaden am Schuh bzw. die Verunreinigung schauen wir uns lieber später an – vielleicht bringt das Laufen ja auch noch eine gewisse Abhilfe. Ich mache kaum 3 Schritte und stehe erneut in der Sch…miere. Diesmal war´s wohl noch etwas größer und hat mich sogar etwas ins Gleiten gebracht. Nun langt´s aber.
Schadenfeststellung ! Sofort ! Ich zücke das Leuchtschwert, lass es aufflammen und richte den scharfen Lichtstrahl auf den Boden …

Alles voller Frösche. Alle so um die 8 bis 10 cm grosse Biester. Drei von denen wirken etwas flacher als die anderen.  Etwas zertreten und auch erdnäher als üblich.
Ja, der letzte “Haufen” (wie ich dachte), den ich erwischte, waren zwei der lustigen grünen Gesellen gewesen. Auch etwas abgeflacht, war doch zu erkennen, dass hier wohl einer den anderen gerade als Last getragen hatte – bis in den Tod. Ob Männchen u n d Weibchen kann ich nicht sagen. Die Szene war zu, naja, sagen wir mal: verschwommen.
Auch wenn ich schon sehr richtig ahnte, dass das Schuheputzen ein besonderer Spass werden würde: ich habe den ganzen Spaziergang lang lachen müssen. Ganz besonders natürlich, als mir am Ende des Weges zwei freundliche Spaziergänger mit einem Hund entgegenkamen.
“Na, aber Hallo!” , dachte ich so bei mir, “Zwei Leute – das bedeutet doppelte Trefferwahrscheinlichkeit….”.

Durchblick behalten: Wer sieht wann wen ?

März 13th, 2008

Noch eine olle Kamelle. Aber die kommen auch einfach so bei der einen oder anderen Situation fast ungewollt wieder ans Tageslicht, nach dem sie jahrelang tief vergraben waren.

Es gab Lehrer bei uns, die waren richtig straff und dynamisch. Denen konnte man so leicht nix erzählen, geschweige denn vormachen. Dann gab es Schüler, die waren nicht straff und dynamisch, liessen sich nix erzählen sondern machten sich lieber was vor. Zum Beispiel , dass die Forderung nach einem regelmäßigen, täglichen Schulbesuch ja auch erfüllt ist, wenn eine oder zwei, aber eben nicht alle Stunden besucht werden. Genau da waren im besonderen ganz bestimmte Lehrveranstaltungen von Abwesenheiten ganz bestimmter Schüler betroffen.

Ein Problem konnten hier gerade die “Dynamischen” unter den Lehrfestkörpern werden, die nicht darauf vertrauten, dass nach der Pause auch alles wieder ordnungsgemäß in den Klassenraum zurückkehrte. Dieser Lehrer-Typ zählte schon mal durch oder suchten nach verwaisten Mäppchen auf den Tischen oder leeren Stühlen in der Klasse.
Glücklicherweise war dies den meisten zu umständlich und kernig, dymnamisch forderten sie die Klasse indirekt auf zu petzen: “Na, meine Damen und Herren – Wer fehlt?”. Teilweise, bei mangelnder Auskunft nach allgemeiner Ansprache, wurden Schüler direkt angesprochen: “Nun, Matthias, wer fehlt denn heute?”. Die Nachfrage in die Klasse hinein und ganz besonders die direkte Ansprache des Schülers sollten ganz klar Unwahrheiten verhindern. Etwas einfach nicht zu sagen oder aalglatt einem Lehrfestkörper nachweislich ins Gesicht zu lügen – das waren doch schon noch zwei ganz unterschiedliche Kaliber.

Nun ist man ja kein “Kameradenschwein” auch wenn man diesen Ausdruck in der Regel erst später kennen lernt. So passierte es, dass mir bei einer dieser persönlichen Inquisitionen der Satz entglitt: “Ich habe keinen gesehen, der nicht da ist.” Stille. Die Sekunden waren unendlich lang.
“OK. fein!”, meinet der Lehrer schliesslich, “dann können wir ja loslegen.” Jabbadabbaduuuuuuuuuu……………

Diese in höchster Not und eigentlich fast unwilkürlich entstandene Lösung , war für lange Zeit und bei fast allen Lehrern d i e Notlösung für Anfragen zu Anwesenheiten.
Nach langer Zeit kam mal einer drauf, weil er einem Schüler unterstellte, er habe ihn vor ein paar Tagen angelogen als er gesagt habe die Klasse wäre vollzählig. “Nein,” sagte der Schüler zu seiner Verteidigung:”Ich habe lediglich gesagt, dass ich niemanden gesehen habe, der nicht hier in der Klasse wäre…. – Ich hab niemanden gesehen, der nicht da ist.”
“Ach je, bei Euch muss man ja höllisch aufpassen… “war die Antwort, “…und das ist ja eigentlich auch gut so”. Bei den anderen Lehrern hat er uns nicht verpfiffen…
Wir ihn aber auch nicht.

Dass das Prinzip wirklich funktioniert, habe ich in diesen Tagen festgestellt. So wurde von zwei Seiten eine Frage an mich herangetragen, die ich zu diesem Zeitpunkt nicht richtig beantworten konnte. Das Mail der zweiten Seite beantwortete ich einfach mal spasseshalber mit: “Diese Frage habe ich bereits Herrn K. seit geraumer Zeit nicht beantwortet – bitte wenden Sie sich an ihn.”
Man glaubt´s nicht: Das klappt !